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Das Theater der Digital Natives entwirft neue Räume der Interaktion. Es definiert immer wieder neu, wer wir sind und was wir tun, wenn wir ins Theater gehen. Es übt einen differenzierten Umgang mit den digitalen (Un)möglichkeiten und stellt sich wichtigen Fragen des gesellschaftlichen Wandels.

 

Wir sprechen mit verschiedenen Expert*innen über das Theater der Digital Natives und ihr könnt hier diesen Gesprächen lauschen.


Veröffentlichung am 15.10.

3. Folge: Zuschauerräume hacken: Kinder – und Jugendtheater als radikales Forschungstheater

Das Kinder- und Jugendtheater ist ein Labor für künstlerisches Forschen und interdisziplinäres Lernen. Hier wird der binäre Code „Kinder-Erwachsene“ von Macher*innen unterschiedlicher Generationen immer wieder neu programmiert. Erwachsene lernen von Kindern und das Wissen der Digital Natives fließt ganz selbstverständlich in diese avancierten Praxen mit ein. Sind Künstler*innen auch Hacker*innen in den Systemen Theater, Schule oder Uni?

 

Wir sprechen mit Hannah Biedermann (pulk fiktion), Christopher Weymann (FUNDUS Theater) und mit Jane Eschment (Universität zu Köln) über eigene Theatererfahrungen, über Hacks und Störungen als Lernmomente und über das Kinder- und Jugendtheater als Raum, in dem gesellschaftliche Verhältnisse transformiert werden.

 

Hannah Biedermann
Hannah Biedermann leitet gemeinsam mit Norman Grotegut das Kinder- und Jugendtheater-Kollektiv pulk fiktion und ist als Regisseurin bundesweit tätig. Sie hat Szenische Künste an der Universität Hildesheim studiert. Sie hat über mehrere Jahre das Spurensuche-Festival geleitet, ist gemeinsam mit pulk fiktion mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden und beschreibt sich selbst als „Kind des Kinder- und Jugendtheaters“.
Jane Eschment
Jane Eschment ist Kunst- und Theaterpädagogin, arbeitete als Kunstlehrerin an Förderschulen und als Pädagogin in Projekten feministischer Mädchen*arbeit. Seit 2015 ist sie als Lehrbeauftragte am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln tätig. Sie interessiert sich für Fragen inklusiver kultureller Schulentwicklung und Möglichkeiten kollaborativer Bildungsräume zwischen Theater und Schule.
Christopher Weymann
Christopher Weymann ist Performer und Theatermacher mit IT-Background. Er forscht mit Kindern, Jugendlichen und anderen Forschenden am FUNDUS THEATER in Hamburg. Seit Kürzestem ist er Co-Leiter des Hauptsache-Frei-Festivals in Hamburg und baut eine Kinder- und Jugendtheatersparte auf.

2. Folge: Boyz* im Netz – jung, männlich, wütend?

Trollarmeen, Killer-Games, Verschwörungstheorien – die dunkle Seite des Internets ist voller wütender junger Männer. Aus Online-Communities heraus beeinflussen Hass und Agitation die reale Politik und wirken auf das gesellschaftliche Miteinander. Aber bietet das Internet nicht auch Möglichkeiten, diese toxischen Typen und ihre Rhetorik zu unterwandern und neue Allianzen zu bilden? Und bringt unser eingeschränktes Bild von Männlichkeit Jungs nicht auch offline in Gefahr? Mit den Künstler*innen Yana Thönnes (The Agency) und Arne Vogelgeang (internil) und dem Autor Nils Pickert („Pink stinks“) sprechen wir über Prinzessinnenjungs, neue Männerbewegungen und die Macht des Netzes.

 

 

Yana Thönnes
Yana Thönnes wurde 1988 geboren und ist Mitbegründering der Gruppe The Agency. Sie studierte Medizin und Regie in Hamburg , ehe sie ihr Studium der Philosophie und Kulturreflexion an der Universität Witten/Herdecke mit einer Arbeit über Performancekunst in der Ukraine abschloss. Sie hospitierte und assistierte während des Studiums bei Gintersdorfer/Klaßen, Robert Borgmann, Bernhard Mikeska und Public Movement.
Nils Pickert
Nils Pickert ist freier Autor und Journalist. Als Vater von zwei Mädchen und zwei Jungen, Teilzeitrockträger und Vollzeitfeminist schreibt er vor allem über Kinder, Erziehungsfragen und Gleichberechtigung. Er war viele Jahre Teammitglied und half beim Aufbau der NGO Pinkstinks, die sich mit Off- und Online-Kampagnen, Pressearbeit sowie einem weit gelesenen Online-Magazin gegen Sexismus und Homophobie einsetzen. Sein erstes Buch „Prinzessinnenjungs“ erschien im März beim Beltz-Verlag.
Arne Vogelgesang
Mit dem Theaterlabel internil und unter eigenem Namen realisiert Arne Vogelgesang seit 2005 freie Theaterprojekte, die mit verschiedenen Zusammensetzungen von dokumentarischem Material, neuen Medien, Fiktion und Performance experimentieren. Außerdem hält er Vorträge und gibt Workshops zur Ästhetik radikaler Internet-Propaganda & schreibt gelegentlich einen Text. Derzeit forscht er an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund zu Live-VR-Storytelling und Kannibalismus.

1. Folge: AppLaus – Digitale Schnittstellen zwischen Bühne und Publikum

Computerprogramme kommen für fast jede Theateraufführung zum Einsatz. Aber nicht immer sind sie für die Zuschauer*innen sichtbar. Seit fast jede*e ein Smartphone mit sich ins Theater bringt, können diese Geräte dem Publikum ein individuelles Spiel- oder Erzählerlebnis eröffnen. Das verändert nicht nur die Theaterräume, sondern auch die Art der Geschichten und den Kontakt untereinander. In der Krise eröffnen smartphonebasierte Theater-Games wie LOCKDOWN von machina eX ein gemeinsames Erlebnis trotz räumlicher Trennung. Wie entstehen solche Spiele? Wie probt man Software? Im Rahmen von ON/LIVE 2020 sprechen wir über Programme, die extra für ein künstlerisches Erlebnis entwickelt oder modifiziert werden. Wir fragen, was es bedeutet, wenn das Smartphone zum Mittepunkt der Performance wird.

 

 

Magdalena Emmerig
Magdalena Emmerig ist Kostüm- und Bühnenbildnerin und lebt in Berlin. Nach ihrer Ausbildung zur Maßschneiderin studierte sie Kostüm- und Bühnenbild an der Kunsthochschule Weißensee. 2015 gründete sie gemeinsam mit Belle Santos, Rahel Spöhrer und Yana Thönnes THE AGENCY. Ihre immersiven Performances, in denen Zuschauer*innen zum Beispiel als Kund*innen oder zukünftige Mitglieder eingebunden werden, kreisen um subversive Handlungsmöglichkeiten (agency) unter den Bedingungen des Post-Digitalen. Zuletzt waren ihre Arbeiten Boys Space (2019) und Take it like a Man (2019) in München und Düsseldorf zu sehen.
Yves Regenass
Yves Regenass (Dramaturgie, Performance, Regie), geboren 1982 in Basel, hat nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Pädagogik und Soziale Arbeit in Basel als Grundschullehrer und freier Theaterpädagoge gearbeitet. Im Anschluss hat er an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften studiert. Yves Regenass ist Gründungsmitglied von machina eX und arbeitete von 2013 bis 2017 als Programmdramaturg am ROXY Birsfelden, wo er zahlreiche Produktionen im Bereich von Theater, Performance und Tanz begleitete. Seit einigen Jahren lehrt er zum Thema Spiele im Theater etwa an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, der Hochschule der Künste in Bern und vielen weiteren Orten.
Susanne Schuster
Susanne Schuster arbeitet seit 2014 als Dramaturgin und Produktionsleiterin in den freien darstellenden Künsten. Sie studierte „Dramaturgie“ in Leipzig und „Inszenierung der Künste und der Medien“ in Hildesheim. Von 2017 – 2020 leitete sie gemeinsam mit Julian Kamphausen das Festival Hauptsache Frei in Hamburg, für das sie u.a. den „Digital Track“ im Rahmenprogramm entwickelt hat. Gemeinsam mit Ricardo Gehn ist sie Gründungsmitglied des Medien- und Theaterkollektivs OutOfTheBox, mit dem sie spekulative Software und performative Erfahrungsräume gestaltet.