20:00 Uhr
17.01.2020
20:00 Uhr
18.01.2020

Abolirea familiei / Die Abschaffung der Familie

Nicoleta Esinencu / HAU
Theater
FFT Juta
Dauer: 120 Minuten / Sprache: Moldawisches Rumänisch, Russisch, Romani mit deutschen und englischen Übertiteln
19€/11€ (erm.)

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Nichts geht über die Familie! Sie ist heilig. Sie gilt auch in der Republik Moldau und auch nach dem Untergang der Sowjetunion als Norm. Doch was passiert, wenn eine Familie den ökonomischen Herausforderungen einer politischen Krise nicht gewachsen ist und ihr die Auflösung droht? Verknüpft mit der persönlichen Erfahrung des Verlusts ihrer Eltern fragt Nicoleta Esinencu mit ihren Protagonist*innen nach dem Begriff der Familie im 21. Jahrhundert. Dabei bilden die Geschichtenerzähler*innen mit ihrem Chor eine kollektive Stimme, die einen vernichtenden Blick auf Monogamie und Privateigentum wirft, um nicht nur das patriarchale System, sondern am Ende den Kapitalismus selbst zu verfluchen.

 

Nicoleta Esinencus viel diskutierte Theaterprojekte betrachten die gesellschaftliche Realität in der Republik Moldau und die damit verbundenen Widersprüche der postsowjetischen Zeit. Sie werfen dabei auch einen kritischen Blick auf die gesamteuropäische Geschichte.


Zwischen den Erzählungen versucht man sich an einer theatralen Austreibung der Übel, die aus der Sicht von Esinencu zu der kompletten Schieflage der postsowjetischen Gesellschaft beitragen. Die Küchengeräte, die auf Soundplatten stehen, sorgen für die akustische Untermalung – sie rühren in Schüsseln, klopfen auf Topfdeckel, rasseln mit Trockenfrüchten –, dann wird für immer abgeschafft, verflucht, weggezaubert: Monogamie, Patriarchat, der Staat, das Privateigentum und der Kapitalismus. 

taz, 17.10.19


„Die Abschaffung der Familie“ heißt das Stück, das sich mit modernen Familienstrukturen und Familiensagas beschäftigt: von patriarchalen bis hin zu Frau-mit-Kind-Versionen, von Oma-Kind-Familien, bei denen die Eltern im Ausland arbeiten, bis hin zu Partnerschaften ohne Nachwuchs. Durch den Tod ihrer Eltern mit dem Familienthema konfrontiert, beschäftigen Esinencu eher die abgründigen Aspekte von Fami­lien wie Gewalt, Unterdrückung, Lebenslügen und Verleumdung, Themen, die sie in ihrem Stück von einem Theaterchor kommentieren lässt.

Theater der Zeit, 10/19 


Nicoleta Esinensu
Nicoleta Esinencu (*1978, Chișinău, UdSSR / Republik Moldau) lebt und arbeitet als Autorin und Regisseurin in Chișinău. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart wurde sie mit „FUCK YOU, Eu.ro.Pa!” international bekannt und gewann den rumänischen dramAcum-Theaterpreis. 2005 wurde der Text im Reader des rumänischen Pavillons bei der 51. Biennale in Venedig veröffentlicht. Die Künstlerin war mehrmals zu Gast auf der Leipziger Buchmesse und beim Internationalen Literaturfestival Berlin. 2009 wurde sie als eine von 16 Bühnenautor*innen vom Goethe-Institut zum Projekt „After the Fall – Europa nach 1989” eingeladen. 2010 war Esinencu Mitbegründerin der unabhängigen Initiative teatruspălătorie, die aus dem Bedürfnis heraus entstand, einen alternativen Kunstraum in Chișinău zu schaffen, in dem Künstler*innen im Bezug auf die politischen und sozialen Ereignisse in der Republik Moldau agieren und reagieren können. Da 2017 der Veranstaltungsort geschlossen werden musste, setzt das Frauenkollektiv teatru-spălătorie seitdem die Arbeit ohne eigene Bühne fort.

Credits
Eine Performance von: Nicoleta Esinencu, Antosea Darca und Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nora Dorogan, Ciprian Marinescu, Kira Semionov, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky. Performance: Elena Anmeghichean, Cătălina Bucos, Doina-Romanța Dochitan, Nicoleta Esinencu, Elena Sîrbu, Doriana Talmazan, Artiom Zavadovsky. Lichtdesign: Ulrich Kellermann. Sounddesign: Janis Klinkhammer. Dramaturgische Beratung: Aenne Quiñones. Produktionsleitung: Anna Krauß. Technische Leitung: Annette Becker. Produktion: HAU Hebbel am Ufer. Koproduktion: FFT Düsseldorf, teatru-spălătorie. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Goethe-Institut. Mit freundlicher Unterstützung des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) und des Freundeskreises des HAU Hebbel am Ufer.