20:00 Uhr
14.11.2020
20:00 Uhr
13.11.2020

ANIMAterialities – the future of grief

Siegmar Zacharias mit Neha Chriss, Eroca Nicols, Mithu Sanyal u.a.
Performance/Workshop
Training für politische Vorstellungskraft
Dauer: ca. 180 Minuten pro Tag // Sprache: Englisch

Die Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen der anhaltenden Pandemie sind beängstigend. Die Grundlagen unseres Zusammenlebens fühlten sich selten so existenziell bedroht an. Was tun?

 

Politisches Handeln erfordert neue Formen der Aufmerksamkeit und der Sorge. Die Performancekünstlerin und Philosophin Siegmar Zacharias lädt zusammen mit weiteren Künstler*innen und Forscher*innen zu einem Training für politische Vorstellungskraft ein, das nach Wegen sucht, belastende Gefühle wie Trauer nicht zu verdrängen. Trauer um Verstorbene, um den Zustand des Planeten, Trauer um den Verlust von Sicherheit und Planbarkeit, um gesellschaftliche Ungerechtigkeit… In einem mehrstündigen Durational werden Sound- und Videoarbeiten präsentiert, die musikalische, rituelle, somatische und therapeutische Praxen miteinander verbinden. Das Publikum erfährt – vor Ort und online – vor allem durch Hören und Zuhören, wie aus individueller Trauer die Möglichkeit für ein anderes Miteinander entstehen kann.

 

Siegmar Zacharias entwickelt seit einigen Jahren Versuchsanordnungen für eine „posthumane Poet(h)ik“: Ihre Performances mit Materialien wie Nebel, Pflanzen oder Schleim vermitteln, was es bedeuten kann, in den Austausch mit Materialien zu treten, die eine eigene Präsenz und Dynamik entfalten.

 

Auf Einladung des FFT entwickelte Siegmar Zacharias im September 2019 das Training für politische Vorstellungskraft: Posthumane Solidaritäten als ein 30-stündiges performatives Event aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des FFT Düsseldorf. Mit dabei waren schon 2019 die Hackerin und Aktivistin Neha Chriss (Australien), die Choreografin Eroca Nicols (Kanada) und die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal aus Düsseldorf. Der Schlagzeuger und Komponist Steve Heather gehört zu Zacharias’ langjährigen künstlerischen Partnern.


Programm

Die zweitägige Veranstaltung bietet jeweils täglich dreistündige Trainingseinheiten für ein Live- und Online-Publikum.

 

Tag 1 (Fr 13.11.)

1. Warm up mit Mithu Sanyal und Siegmar Zacharias

Wie können wir die Bedeutung von Liebe für politisches Denken und Handeln aktivieren?
Basierend auf Bell Hooks „Analyse der Liebe als politisches Handeln“ integriert dieser Live-Workshop somatische Übungen mit performativen Berührungsobjekten, welche die momentan unmögliche menschliche Berührung ersetzen und die Sinneszellen aktivieren.
2. Begrüßung und Einführung
3. ASMR Live-Konzert mit Siegmar Zacharias und Steve Heather
Ein ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) Live-Konzert mit binauralen Tönen, die ein extremes Raumempfinden herstellen, erforscht Intimität und Entfremdung als zwei dynamische Kräfte von Trauerarbeit. Das gemeinsam erfahrbare psychosensorische Konzert dient als Grundlage für ein Gespräch über Verlustängste, individuelle und kollektive, menschliche und planetare.
4. Abschlussritual

 

Tag 2 (Sa 14.11.)

1. Begrüßung und Einführung
2. Gespräch mit Neha Chriss, Eroca Nicols, Mithu Sanyal, Siegmar Zacharias – Femm-Meditation
Gespräch über Trauer, Berührung, Intimität mit Rassismus, somatisches Arbeiten am Vagusnerv, kollektives Arbeiten an Transformation
3. ASMR Videos von Eroca Nicols
Femme armor as weapons for healing. Earth, Fire, Water, Air
4. Konzert mit Neha Chriss
Psychoakustisches Konzert, das an der Fähigkeit des Vagusnervs arbeitet, welcher individuelle Selbstregulierung und kollektive Kokallibrierung ermöglicht.
5. Austausch der Erfahrungen des Live-Publikums und des Online Publikums
What is it to be together? Wie entwickeln wir kollektive, öffentliche Praxen der planetaren Trauerarbeit?
6. Abschlussritual


In der internationalen Koproduktionsreihe Who is speaking? werden die Stimme und der Körper zum Ausgangspunkt für ein verändertes Verhältnis zwischen uns und der Welt. Künstler*innen aus Schweden, Kanada, Australien, Österreich, den Niederlanden und Deutschland loten neue Beziehungen zwischen Menschen und anderen Akteur*innen aus. Zugleich erproben sie ungewöhnliche Formen der Zusammenarbeit, die nicht nur jede*n Einzelne*n verändern, sondern auch ein anderes, ein zukünftiges Miteinander hervorbringen.


Neha Chriss
Neha Chriss ist Programmiererin, Hackerin, Aktivistin und multidisziplinäre Konzept- und Noise-Künstlerin. Ihre Forschungen in psychoakustischer und polyvagaler Theorie – dem Zusammenspiel von Klang, Bewusstsein und neuronalen Prozessen – finden sich in handgemachten Sound-Arbeiten und akustischen Begegnungs-Räumen wieder. In live programmierten, autonomen Schall-Welten erkundet das Publikum neuartiges Erregungs-Terrain und die Grenzen der Wahrnehmung. Neha Chriss lebt zurzeit in Australien.
Steve Heather
Steve Heather ist Schlagzeuger, Komponist und Improvisationsmusiker. Heather lebt in Berlin und arbeitet gegenwärtig in verschiedenen Projekten u. a. mit Kan Wandermark, Yannis Kyrialides, Tobias Delius, Derek Sherley, Martin Siewert, Burkhard Stangl sowie als Solist. Er ist Gründungsmitglied des Improvisationsorchesters SPLITTER. Weiterhin komponiert und arbeitet er im Bereich Tanz, Theater, Film und Neue Medien. In seinen eigenen Musikprojekten (The Still, Booklet, Ms Conception) spielt er von Avantgarde-und Free Jazz bis Noise und Drone.
Eroca Nicols
Eroca Nicols arbeitet derzeit als Tänzerin, Choreografin und Lehrerin, aber ihre facettenreiche Praxis stammt aus ihrer Familie von halb mystischen, nomadischen Wohnwagen-Leuten. Nicols hat jahrelang als Hausmeisterin gearbeitet und machte einen BFA-Abschluss in Video-/Performance-Kunst und Skulptur am California College of the Arts. Ihre Lehre, ihr Tanz und ihr Training sind stark beeinflusst durch das kontinuierliche Studium von Ritualen, Biomechanik und brasilianischem Jiu Jitsu. Eroca Nicols lebt in Toronto (Kanada).
Dr. Mithu Sanyal
Dr. Mithu Sanyal ist eine preisgekrönte Autorin, Rundfunksprecherin und Kulturwissenschaftlerin. Sie arbeitet auf den Gebieten von Gender, Race und Sexualitäten. Unter ihren Büchern finden sich die kulturgeschichtlichen Titel „Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ und „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“.
Siegmar Zacharias
Siegmar Zacharias arbeitet in Theorie und Praxis von Performance. In ihren Arbeiten entwickelt sie Performances und Formate der künstlerischen Forschung. Performance ist ihr Medium ökologischer, posthumaner, künstlerischer und politischer Praxis, in der unkontrollierbare Materialien wie Rauch, Schleim oder das Nervensystem Kollaborationspartner sind. Zuletzt entstanden Arbeiten wie: „Drooling Lecture Series“, „Slime Dynamics“, „The Cloud: a cosmo-choreography made by animals, vegetables, minerals, humans, concepts and emotions.“, „Dirty thinking; invasive hospitality“, „THE OTHER THING“. 2018 erhielt sie ein TECHNE scholarship for excellency and innovative research, um ihrem künstlerischen Promotionsvorhaben zu einer feministischen posthumanen Poet(h)ik nachzugehen. Sie lehrt an der Folkwang Universität der Künste (Essen) und an der Amsterdam University for the Arts. Siegmar Zacharias lebt in Berlin.
Credits
Produktion: Siegmar Zacharias. Koproduktion: FFT Düsseldorf; Gefördert durch die Kunststiftung NRW im Rahmen der Reihe „Who is speaking?“