20:00 Uhr
19.03.2020

Argumentepanzer (entfällt)

Ted Gaier
Lecture-Performance
FFT Kammerspiele
10€/5€ (erm.)

Ticket - buy now

Ted Gaier ist den meisten bekannt durch seine Arbeit mit den Goldenen Zitronen und dem Schwabinggrad Ballett. Jetzt präsentiert der Autor, Musiker, Theater- und Filmemacher sein Buch „Argumentepanzer“ und legt dazu Platten auf. Gaiers solidarischer Blick auf die Welt, die Offenheit und Klarheit, die Ironie, aber auch die Selbstzweifel des Künstlers und Aktivisten machen diesen Band mit Beiträgen fürs Feuilleton und Songtexten aus. Ob bei Protesten in Athen oder Prag, in Auseinandersetzungen um die Gentrifizierung in Hamburg oder bei Fragen nach dem strukturellen Rassismus in der deutschen Theater- und Medienlandschaft – Ted Gaier mischt sich ein.

 

In seinen Texten beschäftigt er sich mit Politik und Kunst gleichermaßen. Sie handeln unter anderem von Charles Mingus, Bob Dylan, Ton Steine Scherben, Udo Lindenberg, DAF, Stereo Total oder Die Türen und erklären gesellschaftliche Entwicklungen mit popkulturellen Phänomenen. Zugleich hinterfragt Gaier seine eigene Biografie und seine künstlerische und aktivistische Praxis.


Ted Gaier im Interview

Haltung alleine reicht nicht!

 

Sie sind nicht nur als Mitbegründer der „Goldenen Zitronen“ bekannt, sondern sind auch als Kolumnist öfter in Erscheinung getreten. Nun erscheint Ihr erstes Buch „Argumentepanzer“ in diesem Jahr. Was bewegte Sie dazu gerade jetzt dieses Buch zu schreiben und zu veröffentlichen?

 

Das Tolle ist, das Buch hat sich sozusagen selber geschrieben (lacht). Es umfasst fast alle Artikel, die ich in dem Zeitraum von 1999 bis 2019 im journalistischen Sinne geschrieben habe. Es war die Idee von Jörg Sundermeier vom Verbrecher-Verlag, der gesagt hat: „Sollen wir das nicht mal rausbringen?“ Und ich dachte mir „Ja, geil. Ich habe davor noch nie ein Buch geschrieben, dann machen wir es doch.“ (…) Und Texter war ich ja schon immer, noch bevor wir überhaupt die „Zitronen“ gegründet haben. Aber so Ende der 90er gab es so verschiedene Sachen, die mich interessiert haben. Das Nachdenken in Schriftform war eins davon. Über Sachen, oder Themen oder auch eigene Beobachtungen, von denen ich meinte, dass sie in der Öffentlichkeit nicht präsent sind. Als Gegengewichte sind da noch Songs angehängt, speziell aus den Zehner-Jahren, wo dann auch andere Akzente gesetzt sind: Thematiken die, z.B. mit dem europäischen Border-System zu tun haben oder mit Privilegien im Allgemeinen.

 

Ein Satz aus der Verlagspromo lautet: „Ted Gaier zeigt Haltung indem er sich selbst nicht hart macht.“ Was heisst das?

 

Oh, meine Promotexte sind immer mit Vorsicht zu genießen (lacht). Kommt davon, dass man die nie selber schreibt. Aber das wird Menschen immer nachgesagt: „Er hat eine Haltung!“ oder „Diese Band hat eine Haltung!“. Ich finde: Haltung allein reicht nicht! Neben einer Haltung, die sowas wie eine Konfrontation klar macht – z.B. dass man kein Fußbreit Faschisten und Rechte toleriert und da klare Kante zeigt – ist die andere Sache, die mich interessiert: in welcher ästhetischen Form kommt es daher und mit welchen Zeichen operiert man? (…) Es gibt da einen Artikel über die Anti-IWF-Demonstration in Prag: in welchem Tonfall da bestimmte Gewissheiten rausposaunt wurden, das sind mir manche Sachen richtig peinlich. Wenn man z.B: Bullen grundsätzlich das Menschsein aberkennt (…). Das sind so Fragen die Leute in Konfrontation mit sich selber ausblenden. Es liegt aber an einem selbst sich stets zu analysieren und zu hinterfragen, mit welchen Mitteln diese Kämpfe geführt werden, um nicht in eigenen Selbstgewissheiten zu verharren. Dafür muss immer Platz sein, find ich.


Ted Gaier
Ted Gaier, 1964 in Stuttgart geboren, ist Musiker, Autor und Theater- und Filmemacher sowie Mitbegründer des Musiklabels Buback und Mitglied der Bands Die Goldenen Zitronen, 3 Normal Beatles, Les Robespierres und Schwabinggrad Ballett. Das Buch „Argumentepanzer“ erscheint am 18.2.2020 im Verbrecher Verlag Berlin.