20:00 Uhr
29.11.2019
20:00 Uhr
30.11.2019

Der Eindringling – eine Autopsie

Im Rahmen der internationalen Performance-Reihe „Eve of Destruction“
Helena Waldmann
Tanzperformance
FFT Kammerspiele
Dauer: 60 min / Sprache: ohne Sprache
19€/11€ (erm.)

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Vor der Vorstellung am Freitag, den 29.11. gibt es um 19 Uhr einen Impulsvortrag: Dr. Susanne Ristow: Das Prinzip Virus, nach der Vorstellung gibt es ein Publikumsgespräch.


Ein starkes, ein großartiges Stück über die Angst vor dem Fremden und ein Appell, gelassener mit vermeintlichen Gefahren umzugehen. In Helena Waldmanns jüngster Inszenierung, «Der Eindringling», finden in schneller Abfolge lauter erotische, komische und kämpferische «Meetings» statt. Drei Tänzer greifen sich gekonnt an, verteidigen sich und schützen sich mit immer mehr Pratzen und Kick-Pads so sehr, bis sie schließlich nahezu bewegungsunfähig und damit schutzlos werden. Sie sind Clowns mit poetischem Tiefgang, deren Slapstick bei einer wunderbar-komischen Tango-Szene in eine subtile Nähe zum Fremden mündet. Das Stück beeindruckt durch die Risikobereitschaft der Tänzer, die plötzlich ausbrechende Gewalt nicht nur vorspielen. Umso leichtfüßiger spannt die Tanz-Regisseurin Helena Waldmann den Bedeutungsbogen vom Politischen zum Medizinischen, vom Staat zum Körper und vom Kampfsport zum Ballett und live vorgetragenem Gesang.

 

Wie immer ist Helena Waldmann das Kunststück gelungen, ein Produktionsensemble zusammenzustellen, das aus Performern mit ganz besonderen Talenten besteht. Das nötige Vorwissen erarbeitete sie sich auf einer Reise zu Tänzern und Choreografen am Institute for Dance und Performing Arts, West Kowloon Cultural District Authority, Hong Kong. Trotz des exzeptionellen Anforderungsprofils fand Waldmann in Ichiro Sugae, Tillmann Becker und Mattia Saracino drei Tänzer, die Martial Arts beherrschen. Gemeinsam mit Telmo Brano, der in dem Stück als Vocal Artist zu erleben ist, treten sie den Beweis an, dass sich die Strategien der Kampfkunst und unseres eigenen Körpers verblüffend ähnlich sind: die Kraft des Gegners durch Einverleibung zu neutralisieren.


In ihren Tanzchoreografien geht es um Haltung. Und zwar um die innere wie äußere. Helena Waldmann, die im Grenzbereich zwischen Theater und Tanz agiert, ist radikal anders. Wer sich auf sie einlässt, wird süchtig.

emma 


Seit Helena Waldmann vor 15 Jahren mit Auftrittsverbot belegte iranische Frauen in Einmann-Zelten tanzen ließ, ist ihr internationale Beobachtung und Anteilnahme sicher. Seitdem produziert die Ausnahmekünstlerin regelmäßig für die internationale freie Szene, immer mit einem neuen thematischen und stilistischen Ansatz und folgerichtig auch mit einem neuen Team für ein neues Thema.

tanznetz


Helena Waldmann gilt als eine der eigenwilligsten Künstlerinnen der aktuellen Theaterlandschaft. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen, arbeitete u.a. mit Heiner Müller, George Tabori und Gerhard Bohner und gastierte in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf mit vielen Arbeiten in Düsseldorf. Ihren Welterfolg „Letters from Tentland“ mit sechs iranischen Frauen zeigte sie hier ebenso wie die anarchisch-rauschhafte Produktion „feierabend! – das gegengift“ oder das beeindruckende Solo „revolver besorgen“ über das Vergessen. Waldmann erfindet ihre Kunst mit jedem Stück neu. Mit einem Team von Expert*innen unternimmt sie Tiefenbohrungen an den wunden Punkten unserer Zeit, in einer Welt, deren Möglichkeitsräume wir nicht annähernd auszuschöpfen wissen.


Performance: Tillmann Becker, Telmo Branco, Mattia Saracino, Ichiro Sugae. Konzept & Tanzregie: Helena Waldmann. Licht: Herbert Cybulska. Musikalische Leitung: jayrope. Musik: Jerry Goldsmith, Jean-Philippe Rameau, Astor Piazzolla, Rashad Becker, jayrope & Niklas Kraft jayrope & Lippstueck, Arne Deforce / Mika Vainio. Video: Anna Saup. Holographische Projektion: Michael Saup. Kostüm: Judith Adam. Mitarbeit Kostüm: Nora Scheve. Training & Beratung Kampfkunst: Aljoscha Tursan. Technische Leitung: Carsten Wank. Tontechnik: Stephan Wöhrmann. Produktionsleitung: Claudia Bauer. Eine Produktion von Helena Waldmann und ecotopia dance productions in Koproduktion mit Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen, FFT Düsseldorf, Tafelhalle Nürnberg, Tollhaus Karlsruhe. Mit freundlicher Unterstützung von Pumpenhaus Münster. Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Im Rahmen der internationalen Performance-Reihe Eve of Destruction gefördert durch die Kunststiftung NRW.


Internationale Performance-Reihe