18:00 Uhr
19.06.2019
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18.06.2019
17:00 Uhr
21.06.2019
17:00 Uhr
22.06.2019

Häusliche Gewalt

Im Rahmen des Impulse Theater Festival 2019
Markus Öhrn
Performance
Botschaft, Worringer Platz 4
Dauer: 5 Stunden (Ein- und Auslass jederzeit möglich)
15 € Vorverkauf / 18 € Abendkasse
8 € Vorverkauf / 10 € Abendkasse (erm.)

Ticket jetzt kaufen

Weil Öhrn das Thema der häuslichen Gewalt verzerrt und überzeichnet, gelingt es ihm, Strukturen und Mechanismen zu zeigen, ohne in billige Betroffenheit zu verfallen, die man genauso schnell wieder vergessen kann. Stattdessen bringt er das Publikum dazu, über die Ursachen der Gewalt nachzudenken. Und, was vielleicht noch wichtiger ist: hinzusehen. Wie ernsthaft man gegen häusliche Gewalt kämpft, ist eine politische Entscheidung. Und damit durchaus auch eine Wähler*innenentscheidung.

 

nachtkritik

 

Das vollständige Programm des Impulse Theater Festival Showcase findest du hier.


Öffnungszeiten (Ein- und Auslass jederzeit möglich)

Di, 18.06. 18:00–23:00

Mi, 19.06. 18:00–23:00

Fr, 21.06. 17:00–22:00

Sa, 22.06. 17:00–22:00

 

Extra

Mi, 19.06. 20:00–22:00 Publikumsgespräch


Ein Mann, eine Frau, ein Wohnzimmer. In dieser Szenerie wird das Publikum Zeuge eines perfiden Beziehungsalltags, in dem aus Intimität immer wieder Brutalität entsteht. Die Spirale der Gewalt dreht sich über fünf Stunden immer weiter fort, verstörend und scheinbar unentrinnbar.

 

Als Vorlage hat Markus Öhrn Berichte über reale Fälle häuslicher Gewalt verwendet, die vor Gericht verhandelt wurden. Auf der Bühne wird allerdings kein Name, kein Ort und keine Zeit genannt. Die beiden Darsteller*innen schweigen unter ihren riesigen Pappmaché-Masken, zu hören sind nur schmatzende Küsse, ein Schluchzen, ein jähes Luftholen im Schreck – und im Hintergrund spielt, wie vom Geschehen unbeeindruckt, ein Pianist am großen Flügel.

 

Die beiden Figuren sind Abstraktionen, die für eine Vielzahl individueller Fälle stehen. Was sie darstellen, ist kein Einzelschicksal, sondern ein Muster, das in vielen Beziehungen und jenseits von Klasse und Milieu wirksam ist. Sie zeigen einen Mann und eine Frau, die erlernte Geschlechterrollen bedienen und keinen Ausweg aus ihrer verhängnisvollen Zweisamkeit finden. Immer wieder beginnt ein neuer Kreislauf von Gewalt, Reue und Versöhnung. Kunstblut rinnt übers Pappmaché, wird fortgewischt – bis zum nächsten Schlag. Dass er kommt, ist gewiss, jedoch nicht, wann.

 

Das Publikum kann diese angespannte Situation jederzeit verlassen, kann kommen und gehen, wann es will. Das Paar hingegen scheint auf ewig in seinem zunehmend blutverschmierten Heim gefangen zu sein.


Regie, Bühne, Konzept: Markus Öhrn. Mit: Jakob Öhrman, Janet Rothe. Pianist: Arno Waschk. Masken: Makode Linde. Eine Koproduktion von Wiener Festwochen, Institutet und Wiesbaden Biennale 2018. Mit Unterstützung von Kulturrådet / Swedish Arts Council.


Markus Öhrn studierte bildende Kunst am Konstfack in Stockholm. 2010 führte er in Zusammenarbeit mit den beiden Gruppen Institutet und Nya Rampen erstmals bei einer Theaterproduktion Regie – „Conte dʼAmour“ wurde beim Impulse Theater Festival 2011 mit dem Preis für die beste Produktion ausgezeichnet. Seit 2015 arbeitet er meist ortsspezifisch und prozessorientiert. So gründete er für das Santarcangelo Festival mit italienischen Hausfrauen eine Black Metal-Noise-Band und gestaltete für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz einen performativen Adventskalender. Markus Öhrn lebt und arbeitet in dem kleinen nordschwedischen Dorf Niskanpää und in Berlin.