18:00 Uhr
04.06.2020

Stricken, die Installation

Im Rahmen des Impulse Theater Festivals
Magda Korsinsky
Installation
online
Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung auf impulsefestival.de

Ticket - buy now

4.6., 18 Uhr — 13.6., 24 Uhr, Dauer: 62 Minuten, frei wählbare Startzeit

Anmeldung für die Performance: hier

 

9.6., 19 Uhr Gespräch in deutscher Sprache mit Magda Korsinsky.


Wie gehen afrodeutsche Frauen mit der Vergangenheit ihrer weißen Großmütter um? In STRICKEN sind Video-Interviews mit Enkelinnen zu sehen, die über Nationalsozialismus und tiefsitzende Ressentiments sprechen, über Liebe und Leibgerichte aus Omas Küche, über familiäres Erbe und den Rassismus der Gegenwart.

 

Magda Korsinsky hat sechs Frauen zu ihren Familien befragt: Welche Werte wurden weitergegeben? Welche wurden übernommen, hinterfragt, verändert oder abgelehnt? Entstanden sind offene und ehrliche Porträts – projiziert auf Stoffbahnen aus Textilien, die die Frauen in den Schränken ihrer Großmütter gefunden haben: Bettlaken, Tischdecken und Handtücher, die sie teilweise schon seit ihrer Kindheit begleiten. Für die Online-Variante der Installation wurden diese Projektionen erneut abgefilmt.

 

Die Familiengeschichte ist für die porträtierten Frauen verbindend und trennend zugleich, denn anders als ihre weißen Großeltern hätten sie im Nationalsozialismus zu den Verfolgten gezählt. Wie also umgehen mit der Schuld der Vorfahr*innen?

 

Die Anregung für STRICKEN gab das Buch „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“ von Jennifer Teege, die als 38-Jährige erfuhr, dass sie die Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist. „Wer mit Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Hermann Göring oder Amon Göth verwandt ist, der ist gezwungen, sich mit seiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen“, schreibt Teege. „Aber was ist mit all den anderen, den vielen namenlosen Mitläufern und Mittätern?“


Magda Korsinsky
Magda Korsinsky ist bildende Künstlerin, Choreografin und Dozentin mit tschechisch-eriträischem Hintergrund. Sie studierte bildende Kunst an der UdK Berlin, der ENSBA Paris und der AVU Prag und präsentierte ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen. 2012 schloss sie ihr Choreografiestudium am HZT Berlin ab. Ihre choreografischen Arbeiten wurden u. a. zu den Tanztagen in den Sophiensælen eingeladen, im Maxim Gorki Theater Berlin und in den Uferstudios gezeigt. Seit 2014 hat sie drei Tanzstücke am Ballhaus Naunynstraße realisiert: „Gazes that Matter“ sowie mit STRICKEN und „PATTERNS“ zwei Arbeiten, in denen sie Gesten mit ihrer Sozialisiertheit und Eigensinnigkeit als Ausgangspunkt für eine Reflexion Schwarzer Identitäten in Deutschand nutzt.
Stefan Korsinsky
Stefan Korsinsky ist Diplom-Kulturwissenschaftler und Gründungsmitglied von Expander Film Berlin. Er studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim sowie Soziologie und Germanistik in Bielefeld. Stefan Korsinsky arbeitet als Filmemacher und unterrichtet an der Code University of Applied Sciences Berlin.
Credits
Regie, Installation, Interview: Magda Korsinsky. Sound, Video: Stefan Korsinsky. Nähassistenz: Kunji Baerwald, Sofia Vannini. Interviewpartnerinnen: Binta, Denise, Matti, Miriam, Shaheen, Stephanie. In Zusammenarbeit mit Ballhaus Naunynstraße und Savvy Contemporary e.V. Mit freundlicher Genehmigung von DENGLER und DENGLER Galerie für Schöne Künste, Stuttgart. Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin, und der Rudolf Augstein Stiftung.