18:00 Uhr
16.06.2019
21:00 Uhr
15.06.2019
19:00 Uhr
14.06.2019

White Limozeen

Im Rahmen des Impulse Theater Festival 2019
Johannes Müller / Philine Rinnert
Performance
Botschaft, Worringer Platz 4
Dauer: ca 60 min. / Deutsch und Englisch
15 € Vorverkauf / 18 € Abendkasse
8 € Vorverkauf / 10 € Abendkasse (erm.)

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„Mit ihren Bezügen zu einem Werk der Oper und deren politischen Hintergründen, der erkennbaren Trennung von Darstellungskunst und biografischer Befindlichkeit der Künstlerinnen, und ohne das Genre Oper zu denunzieren, sind in „White Limozeen“ die wichtigen Eigenschaften zusammengefügt, die man sich für wirklich aktuelles Musiktheater wünscht.“

Neue Musik Zeitung (NMZ)

 

Das vollständige Programm des Impulse Theater Festival Showcase findest du hier.


Nach der Vorstellung am 14.6. gibt ein Publikumsgespräch in deutscher Sprache mit den Künstler*innen. Moderation: Dr. Christian Esch, Musikwissenschaftler und Direktor des NRW Kultursekretariats


Die Operngeschichte ist voller Stücke, die das Ferne und Fremde als exotische Sensation verkaufen. Anhand der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ und ihrer eigenen Biografien führen eine Sopranistin und eine Schlagzeugerin durch die spannungsreiche Geschichte eines Genres zwischen Rassismus und einer Besetzungspraxis, die sich nicht für Herkunft und Ethnie der Darsteller*innen interessiert.

 

„Madama Butterfly“ wurde 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Das Stück erzählt die Geschichte einer jungen japanischen Geisha, die um die Jahrhundertwende mit einem amerikanischen Offizier verheiratet wird. Kurz nach der Hochzeit lässt er sie in Japan zurück. Drei Jahre wartet Butterfly auf seine Rückkehr und verzehrt sich nach seiner Liebe. Als er mit seiner neuen amerikanischen Ehefrau zurückkehrt, um den gemeinsamen Sohn nach Amerika zu bringen, nimmt sich Butterfly das Leben.

 

In White Limozeen sind Fotos und Filmaufnahmen aus historischen Inszenierungen des Stücks zu sehen, die beiden Darstellerinnen stellen Butterflys Posen nach und interpretieren Puccinis Arien. Dabei wird deutlich, wie sehr die Darstellungstradition von Klischees geprägt wird, durch die das Ferne überhaupt erst zum Fremden wird. Diese Auseinandersetzung mit „Madama Butterfly“ ist der rote Faden der Inszenierung und Ausgangspunkt für Ausflüge in die Geschichte klassischer Musik und den Opernalltag der Gegenwart. Die lange Tradition schwarzer Künstler*innen auf den großen Bühnen dieser Welt trifft auf deren Verschwinden aus dem Bewusstsein der Operngeschichte, die heute gängige „farbenblinde“ Besetzung trifft auf Rassismuserfahrungen der beiden Darstellerinnen. Ein Musiktheaterabend, der sein Genre fern jeder Denunziation schonungslos seziert.


Konzept und Recherche: Johannes Müller, Philine Rinnert. Regie: Johannes Müller. Ausstattung: Philine Rinnert. Mit: Sarai Cole (Sopran), Sabrina Ma (Percussion). Eine Produktion von BAM! – Berliner Festival für aktuelles Musiktheater. BAM! ist eine Initiative des ZMB – Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V., realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung.


Johannes Müller studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Philine Rinnert studierte Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin. Seit 2009 entwickeln sie gemeinsam Musiktheaterhybride, die die Vergangenheit der Oper, ihre Wirkung und Techniken ins Visier nehmen und gleichzeitig eine Archäologie der Gegenwart sind, von Entertainment und Queer Culture. Die Projekte verbinden klassische Musik mit aktuellen Diskursen und archäologischen bzw. popkulturellen Artefakten. Zu ihren Arbeiten zählen „Operation Spirituelle“ (2013), „Herculaneum“ (2014), „Reading Salomé“ (2015/16, Jurypreis des Favoriten-Festivals), „Mean Greene Mother from outer space“ (2017) und „AIDS Follies“ (2018, in Kollaboration mit dem Komponisten Genoël von Lilienstern).